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Die Geschichte des Gospel
Zur Geschichte der Gospel-Musik

Zeitgleich mit der Besiedlung des amerikanischen Kontinentes durch die Europäer entwickelte sich in Afrika ein Phänomen, das man zu den wenig ruhmreichen Kapiteln europäischer Kultur rechnen muss: der Sklavenhandel.
Ursprünglich auch von den verschiedenen Stämmen afrikanischer Ureinwohner betrieben, hatten die Europäer schnell entdeckt, dass man mit dem Raub und Verkauf schwarzer Menschen in und aus Afrika sehr viel Geld verdienen konnte. Es gab die Märkte für diese billigen Arbeitskräfte, sie waren an die tropischen und subtropischen Klimata besser angepasst und im Europa des 17.Jahrhunderts genossen sie in weiten Kreisen nicht mal den Status von Menschen, sondern galten vielen nur als geschicktere Affen. In der "Neuen Welt" jedenfalls waren sie als Arbeitskräfte gut zu gebrauchen und so lag es nahe, sie in großer Zahl unter unwürdigsten Bedingungen über den Atlantik zu schaffen und auf den Sklavenmärkten in Charleston, Savannah und auch den Städten des Nordens an die wohlhabenden Plantagenbesitzer zu verkaufen. Selbst die östlichen Stämme der nordamerikanischen Ureinwohner, aufgrund des Irrtums von Columbus, Indien erreicht zu haben, Indianer genannt, hielten sich irgendwann schwarze Sklaven.




Diese Menschen, fortgerissen von ihren Familien oder aber die Familien getrennt verkauft, dezimiert durch Krankheiten und Unterernährung bei entbehrungsreichen Überfahrten, unterschiedlichsten Kulturen und Völkern entstammend, kamen bei ihren neuen "Besitzern" an und wurden sofort zur Arbeit eingesetzt. Miteinander in Ihren Sprachen zu reden (was ihnen häufig aufgrund ihrer unterschiedlichsten Herkunft in Afrika ohnehin nicht möglich war) wurde ihnen verboten. Englisch, Französisch und Deutsch (zu der Zeit in der neuen Welt ebenfalls eine verbreitete Sprache) konnten sie nicht sprechen. Erlaubt war es ihnen aber, bei der Feldarbeit zu singen. Also begannen sie, in ihre Lieder Botschaften einzuflechten, um irgendwie eine Form der Kommunikation aufrecht zu erhalten. Als die ständig in Furcht vor Aufständen und Aufruhr lebenden Sklavenhalter dies allerdings feststellten, wurde auch das bei drakonischen Strafen verboten.

Parallel zu dieser Entwicklung allerdings machten die Schwarzen in Nordamerika die Bekanntschaft mit der christlichen Botschaft. Wiewohl es schwer gewesen sein mag, die Diskrepanz zwischen dem Wort Gottes oder der Lehre Jesu Christi und dem Verhalten ihrer weißen Herren, die ja vorgaben, Christen zu sein, nachzuvollziehen, erkannten Sie in der Bibel auch die Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte. Da gab es ein Volk, das, ähnlich wie sie, verschleppt worden war und von einem starken Führer unter der Obhut eines allmächtigen Vaters aus der Gefangenschaft befreit wurde. Damit konnten sie sich identifizieren, das gab ihnen Hoffnung und es entsprach ihrer Lebenswirklichkeit. Bald entstanden schwarze Kirchen und eine schwarze christliche Kultur. Dies konnten und wollten die weißen Herren nicht verbieten, da damit ja ein Beweis für die erwünschte "Anpassung" an europäische Werte vorlag und auch die Akzeptanz der staatlichen Autoritäten unterstellt wurde (eine krasse Fehleinschätzung, wie schon die Tatsache zeigt, dass bis in unsere Zeit die wesentlichen Impulse für das Civil Rights Movement, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, meist aus der schwarzen Kirche Amerikas kommen, siehe als berühmtestes Beispiel Dr. Martin L. King).

In den Kirchen entstand jedenfalls auch die musikalische Ausdrucksform für diesen neugewonnenen Glauben, und ähnlich wie bei den spirituellen Inhalten verschmolz auch in der Musik die europäische Folklore mit dem afrikanischen Erbe und es entstanden ganz neue Stilelemente und ein neuartiges Harmoniegefüge. Diese kulturelle Innovation vollzog sich natürlich auch in den Bereichen der weltlichen Musik und brachte dort Formen hervor, die heute weltweit den Bereich der sogenannten populären Musik nachhaltig prägen. In den Kirchen aber gab es den Freiraum, wo über lange Zeit diese Entwicklung ungestört durch Fremdeinflüsse ihren Lauf nehmen konnte. Es versteht sich von selbst, dass diese Strömungen der amerikanischen Musikkultur nicht voneinander zu trennen sind. Es ist sicher kein Zufall, dass auch heute noch große afroamerikanische Musiker ihren künstlerischen Anfang in den Kirchen haben, unabhängig davon, ob sie sich dem Blues, Jazz, Soul oder R&B verschreiben.

Wir möchten diese Tradition vermitteln, von den Anfängen mit den alten Spirituals über den Blues und Soul hinein bis ins einundzwanzigste Jahrhundert. Dabei liegt uns Main-Linern das gesamte Spektrum des Genres am Herzen. Wenn es uns gelingt, etwas von der ungeheuren Vitalität dieser Musik und der Lebensfreude, die aus dem Glauben erwachsen kann, hör- und fühlbar zu machen, ist unsere "Mission Accomplished".